Dividendenstrategie

Bei meiner Art des Investierens in Dividendenaktien geht es nicht einfach darum, Aktien mit einer möglichst hohen Dividendenausschüttung auszuwählen, wie dies bei vielen Indexpapieren und ETFs der Fall ist, sondern mir geht es darum, geeignete Unternehmen zu finden, die auf Grund ihres Geschäftsmodells  in der Vergangenheit fähig waren, eine (jährlich) steigende Dividende zu zahlen und es eine berechtigte Hoffnung gibt, dass sie dies auch zukünftig tun werden.
Den meisten Aktienanlegern geht es um steigende Aktienkurse. Dies ist bei der Dividenden(wachstums)-Strategie aber erst mal zweitrangig. Bei der Dividenden(wachstums)-Strategie geht es darum einen steigenden passiven Geldfluss zu erzielen. Hier steht deshalb die Dividende im Vordergrund. Die Dividende ist das, was ich als Aktionär tatsächlich Cash erhalte. Aktiengewinne sind nur theoretischer natur. Jedenfalls solange man nicht verkauft.
Ein Dividenden(wachstums)-Investor will aber gar nicht verkaufen. Seine Haltedauer ist möglichst für immer. Gerade dann, wenn das Unternehmen in das er nach reiflicher Überlegung investier hat seinen Job erfüllt und stetig steigende Dividenden produziert.
Aktienkurse sind teilweise heftigen Schwankungen ausgesetzt. Da hat man als Anleger wenig Einfluss drauf. Die Dividenden dagegen sind wenigeren Schwankungen ausgesetzt. Gerade, wenn man sich an kontinuierlichen Dividendenzahler beteiligt hat.
Beim Kauf sollte man darauf achten, dass die Dividenden durch die Gewinne abgedeckt sind. Für stetiges Wachstum der Dividende sollte man bereit sein einen höhere Preise zu zahlen, aber auch nicht jeden. Hierzu jetzt Näheres.

Kaufkriterien

Ich besorge mir die Zahlen  mindestens der letzten zehn Jahre. Eine Zyklus dauert nach Jeremy Siegel ca. 15 Jahre, weswegen ich teilweise noch weiter zurück gehe.

Umsatz: Der Umsatz der letzten 10 Jahre soll eine steigende Tendenz aufweisen. Die Umsatzzahlen sind die buchhalterisch am wenigsten manipulierbaren Zahlen, im Gegensatz z.B. zum Gewinn. Wenn die Umsätze steigen, können auch Gewinn und letzlich die Dividenden steigen.
Net Profit Margin solte bei 10 % und Operating Margin bei 15 %liegen. Besser natürlich darüber.

Gewinn: Der Gewinn der letzten 10 Jahre soll eine steigende Tendenz aufweisen. Verluste sind ein Ausschlusskriterium, es sei denn, dass ein plausibler Grund dahinter steht.
Return on Asset (ROA) sollte bei 10 %, Return on Equity (ROE) bei 20 % und Return on Invested Capital (ROI)  bei 15 % liegen. Auch hier besser darüber.

Dividende: Die Dividende soll eine steigende Tendenz aufweisen. Die Dividendenrendite sollte ca. 3,5 % betragen und um ca. 4 % jährlich gestiegen sein, damit die Inflation abgefangen werden kann.  Wurde die Dividende um mehr als 4 % die letzten Jahre gesteigert, so akzeptiere ich auch eine niedrigere Dividendenrendite. Ich schaue hierbei auf die Steigerung der Dividendenrendite der letzten 5, 10 und 20 Jahre.

Ausschüttungsquote: Die Ausschüttungsquote sollte 60 % nicht übersteigen, da ein Unternehmen, wenn die Gewinne mal nicht so laufen, noch genug Spielraum hat, dass es trotzdem die Dividende erhöhen kann oder zumindest nicht kürzen muss. Dies sehe ich nicht ganz so eng. Tabakfirmen schütten meist über 80 % des Gewinns aus, weil bei diesen kein großer Investitionsbedarf besteht und auch keine Wachstumsbranche ist. Mehr als 100 % sollte ein Unternehmen nicht ausschütten. Da ist dann auch bei mir Schluss.

Free Cash Flow: Häufig wird nur geschaut, ob die Dividende aus den Gewinnen gezahlt werden kann. Ich schaue mir aber zusätzlich noch den Free Cash Flow an. Dazu ziehe ich vom Mittelzufluss der gewönlichen Geschäftstätigkeit (Total Cash from Operations) die  Investitionen  (Capital expanditures) ab und schaue, ob der Betrag, der da raus kommt für Dividendenzahlungen ausreicht.

KGV: Früher war ein KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis; also Börsenkurs geteilt durch den Gewinn, wobei ich den Gewinn der letzten vier veröffentlichen Quartale nehme (im Englischen TTM genannt) von über 15 ein Ausschlusskriterium für mich. Da Qualitätsunternehmen, wie ich sie suche, selten zu so einem KGV zu haben sind, bin ich zu der Erkenntis gekommen auch höhere KGVs zu akzeptieren, jedoch nehme ich mir Peter Lynchs Ratschlag zu Herzen und sehe KGVs über 20 als kritisch an.

Geschäftsmodell: Ich versuche das Geschäftsmodell weitestgehend nachzuvollziehen, soweit mir das als Kleinanleger möglih ist, weil ich ja auch beurteilen muss, ob das Geschäftsmodell auch zukünftig weiterhin steigende Dividenden möglichst über der Inflationsrate generieren kann. Mir ist aber auch klar, dass ich nur begrenzte Annahmen über zukünftige Konkurrenz oder technische Neuerungen machen kann, weswegen ich mich erst mal auf hohe Margen verlasse. Diese zeigen, dass ein Geschäftsmodell erfolgversprechend ist. Besonders, wenn schon seit über zehn Jahren diese Margen gehalten werden konnten. Gehen die Margen zurück, sollte man untersuchen, ob das Geschäftsmodell weiterhin erfolgversprechend ist.

Unternehmensgröße: Viele Aktionäre schauen bei der Aktienauswahl nach einer gewissen Größe, sprich Marktkapitalisierung. Die ist mir ziemlich egal. Im Gegenteil, Untersuchungen von O’Shaugnessy haben ergeben, dass besonders Smallcaps, also kleine Unternehmen, die höchste Kursperformance aufweisen. Da ich allerdings nach Unternehmen suche, die möglichst weltweit operieren und eine Dividendenhistorie von über zehn Jahren mit steigenden Dividenden aufweisen, kommen meist keine Smallcaps in die engere Auswahl.

Diversifikation: Da auch bei bester Recherche und sorgfältigster Auswahl der Aktien einige Unvorhersehbarkeiten, Fehler bei Annahmen über die zukünftige Entwicklung oder einfach auch manipuliertes Zahlenwerk  seitens des Unternehmens auftreten können,  bin ich ein Freund der Diversifikation. Ich will mich dabei auf 30 bis 50 Werte konzentrieren, die auch eine gewisse Sektordiversifikation beinhaltet. Da ich meist nach weltweit operierenden Unternehmen suche, ist mit egal, wo diese ihre Heimatbörse haben.

Ordergrößen: Eine Ordergröße richtet sich bei mir nach der zu erwartenden Dividende.  Wobei ich eine jährliche Dividende von ca. EUR 250,- pro Kauf veranschlage, wenn ich mich zu einem Kauf enschieden habe.  Erwarte ich eine jährliche Dividende von einem Euro, so würde ich 250 Stück ordern. Bei einer Dividendenrendite von ca. 3,5 % wäre das dann ca. 8.300 Euro. Dies wäre ein halber Kauf, da zum Schluss, wenn das Portfolio mal steht und die Dividenden zur Deckung der Lebenshaltungskosten verwendet werden,  jedes Unternehmen im Portfolio so ca. EUR 500 beisteuern soll.

Steuerliche Gesichtspunkte: Ein leider ärgerliches Thema ist die Quellensteuer, die viele Länder erheben bzw. deren Rückerstattung. Selbst innerhalb der EU ist eine Rückerstattung häufig mit Kosten, Ausfüllen von Formularen und Schreiben ans Finanzamt wegen einer Wohnsitzbestätigung verbunden. Um diesen ganzen Bürokratismus zu entgehen habe ich mich dazu entschlossen, nur Unternehmen von den Ländern in mein Portfolio aufzunehmen, die entweder keine Quellensteuer verlangen, wie z.B. Gross-Britannien und Australien oder der Quellensteuer voll auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden, wie z.B. USA und Niederlande.

Verkaufskriterien

Verkaufskriterien, wie, wenn das Unternehmen die Dividende kürzt, dann erfolgt automatisch ein Verkauf, habe ich nicht. Ich würde mir erst mal die Ursache ansehen. Auch ein Rebalancing, also ein Verkauf, wenn eine Aktie ein übergroßes Maß im Portfolio eingenommen hat, habe ich nicht.
Verkaufsgründe wären für mich, wenn die Gewinne, Margen kräftig fallen und ich das Geschäftsmodell für nicht mehr ertragreich genug ansehen würde oder KGVs von über 40 wegen Kaufstimmung an der Börse erreicht würden.
Ansonsten verfolge ich eine Kaufen und Halten Taktik.

Resümee

Ihr seht, dass Dividendinvesting einige Recherchearbeit nach sich zieht. Das sind aber Arbeiten, die jeder halbwegs intelligente Mensch erledigen kann. Ist aber mühevoller als einfach eine Dax-Aktie zu kaufen, weil sie so arg gefallen ist und sie nun doch irgendwann mal wieder steigen muss. Schließlich ist das doch ein Dax-Wert. Und macht auch mehr Mühe als sich anzuschauen, welche Aktie aus dem Dax gerade die höchste Dividende zahlt.
Je mehr Unternehmen man sich aber anschaut, desto einfacher fällt es einem schon mal „schlechte“ Firmen herauszufiltern und „gute“ Firmen zu erkennen. Irgendwann hat man dann eine Liste geeigneter Kandidaten und dann muss man eigentlich nur noch auf einen akzeptablen Preis warten, den man anhand seiner Kaufkriterien vorher ermittelt hat. Die Belohnung für seine Arbeit ist dann ein Portfolio mit stetig steigenden Dividendeneinnahmen von dem man eines Tages mal vielleicht sogar leben kann. So wie ein Schneeball, der langsam einen Abhang hinunterkullert werden die Dividenden im Laufe der Jahre immer größer und größer. Und das nur, weil man vor einigen Jahren mal ein paar kluge Entscheidungen getroffen hat und weiter am Ball geblieben ist und seine Finanzen eben nicht einem Bankberater überlassen hat, sondern selbst in die Hand genommen hat.

Kommentare
  1. ppeloton sagt:

    Lieber ZaVodou,

    dein Blog ist sehr interessant zu lesen. Darf ich wissen, welchen Broker du verwendest? Ich habe ein Konto bei flatex. Ich bin bis vor Kurzem recht zufrieden gewesen, allerdings habe ich jetzt erfahren, dass Dividendenzahlungen von amerikanischen Unternehmen mit Gebühren verbunden sind. Kannst du andere Broker empfehlen?

    Vielen Dank schon im Voraus!

    • ZaVodou sagt:

      Hallo ppeloton,
      mein Broker ist die netbank bzw. nach deren Verkauf an die Augsburger Aktienbank die Augsburger Aktienbank. Mit Empfehlungen ist das immer so eine Sache, da jeder andere Bedürfnisse hat. Der eine handelt viel, der andere wenig. Der eine handelt gerne auf ausländischen Börsenplätzen, um auch kleinere Firmen an deren Heimatbörse kaufen zu können. Mir reichen z. B. die deutschen Handelplätze usw.
      Ich habe auch schon nach Alternativen gesucht, falls die Gebührenschraube weiter nach oben gedreht wird. Für meine Bedürfnisse wären DKB und Onvista ganz interessant.

      Ahoj
      ZaVodou

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