Warum ich in Aktien und nicht in ETFs/Indexfonds investiere

Veröffentlicht: 19. Juni 2016 in Allgemein
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Viele Experten empfehlen Anlegern ihr Geld regelmäßig in kostengünstigen ETFs oder Indexfonds anzulegen.
Meist wird das dann so gehandhabt, dass für einen Betrag x (z. B. 100 Euro) mittels Sparplan in regelmäßigen Abständen (z. B. monatlich) ETFs/Indexfonds gekauft werden.
Egal, ob diese (vermeintlich) günstig oder teuer sind. Einfach stur in regelmäßigen Abständen zukaufen. Mit der Zeit entsteht so ein Durchschnittspreis zu dem man kauft. In der Fachsprache wird das „Cost-Average-Effekt“ genannt.
Warren Buffett empfiehlt z. B. seinen Erben ihr Geld zu 90 % in einem kostengünstigen Indexfonds, der den S&P 500 abbildet, anzulegen. Die restlichen 10 % in kurzfristige Regierungsanleihen.

Nehmen wir mal an, man würde diesen Ratschlag befolgen.

Meinem Verständnis nach sollte man im Aktienmarkt einsteigen, wenn er günstig ist. Also so wie im richtigen Leben. Ich kaufe dann gern und viel, wenn es günstig ist. Wenn es teuer  ist versuche ich möglichst nicht zu kaufen. Warum das beim Aktienmarkt dann anders machen?
Nun, auch das würde sich bewerkstelligen lassen. Ich kaufe erst dann wieder zu, wenn ich meine, dass der Markt zumindest faire Preise bietet.
In der Zwischenzeit parkt man das Geld so lange auf einem Tagesgeldkonto.
Nun aber der Vorteil beim Kauf von einzelnen Aktien. Es gibt tausende davon. Ich muss also nicht warten bis mein eines Investment (hier S&P 500) wieder zumindest faire Preise bietet, sondern kann aus tausenden von Aktien auswählen, wenn ich nur aus dem S&P 500 auswählen würde, könnte ich immerhin noch aus 500 Aktien mir die günstigste auswählen.

Tim McAleenan Jr. hat vor kurzem diesen Artikel verfasst, der mich zu meinem Geschreibsel hier überhaupt veranlasst hat.

Ich will hier keine Werbung für die GE-Aktie machen. Ich bin nicht so der Fan von Konglomeraten und Tims Annahmen über das Gewinnwachstum von GE müssen ja auch nicht stimmen.

Dieser Artikel über GE soll vielmehr als Beispiel dafür dienen und verdeutlichen, welche Vorteile es hat, wenn man in einzelne Aktien und nicht in einen Index investiert.

Tim schreibt folgendes zur fundamentalen Situation über den S&P 500:

S&P 500 Index Fund whose component parts are valued at 24x earnings, offer a 2% dividend yield, and carry a projected 6.5% earnings per share growth rate

KGV von 24 deutet schon darauf hin, dass man hier eher teuer kauft.

Ich selbst habe ja ein eigenes Bewertungsmodell, das sich aus den Komponenten Dividendenrendite und abgeschätztes Wachstum ergibt. Würde ich also momentan kaufen?

Nehmen wir die Aussage von Tim: Dividendenrendite 2 %, Gewinnwachstumsrate 6,5 %.

Ich nehme meist die Gewinnwachstumsrate statt der Dividendenwachstumsrate, um konservativ abzuschätzen, weil die Gewinnwachstumsrate meist unter der Dividendenwachstumsrate liegt. Intressant wäre hier noch die Ausschüttungsquote, ob man vielleicht etwas höheres Dividendenwachstum ansetzen könnte. Bleiben wir aber mal bei den Zahlen.

Ziel ist es bei mir ja nach 20 Jahren durch Dividenden meinen Einsatz brutto wieder draußen zu haben, wobei zugegebenermaßen 20 Jahre schon ein recht langer Zeitraum ist.

2016-06-19 13_ Zinstafel

Mein Bewertungsmodell würde nun aussagen, dass ich bei einem Wachstum von 6,5 % warten müsste bis die Dividendenrendite auf ca. 2,7 % angestiegen ist oder bei einer Dividendenrendite von 2 % ein Wachstum von ca. 9 %  benötigte, um den aktuellen Preis zu rechtfertigen. Fazit: Momentan also zu teuer.

Viele Sparer, die sich dazu entschlossen haben ETFs und/oder Indexfonds zu kaufen, kaufen trotz hoher Preise jetzt aber mittels Sparplan trotzdem munter dazu.

Bei der momentanen Zinssituation mag sich das vielleicht trotzdem rechnen.

Ich aber warte.

Die nächste Straßenbahn kommt bestimmt, denn ich kann ja aus einem Pool von tausenden von Aktien auswählen.

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Kommentare
  1. Stephan sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel. Letztendlich kommt man nicht drum herum, sich die unterschiedlichen Möglichkeiten einmal selbst genau anzuschauen und Vor- und Nachteile gegenüber zu stellen. So findet am Ende jeder die für sich passende Geldanlage.

    • ZaVodou sagt:

      So ist es, Stephan. Jeder hat andere Voraussetzungen, Interessen und letztlich Überzeugungen. Ich lege in meinem Blog meine Sicht der Dinge dar und versuche Argumente zu liefern, die zeigen, warum ich so handele wie ich handele.
      Ob der Einzelne das auf sich anwenden kann und ob ich ihn überzeugen konnte, muss dann jeder selbst entscheiden.
      Und wenn ich ihn nur zum Nachdenken gebracht habe, weil er mal eine andere Sichtweise aufgezeigt bekommt, ist das auch schon mal was.

      Man sollte offen sein und sich immer beide Seiten anhören und dann das anwenden, was einem eher überzeugt hat.

      Ahoj
      ZaVodou

  2. einkommenmillionaer sagt:

    Ja, das ist auch wahr. Aber es wird generell so getan, als wenn man als aktiver Anleger mit Absicht auf Rendite verzichten würde.. Ich mag einfach keine Gebühren. Selbst wenn sie nur 0,4% betragen 🙂

    • ZaVodou sagt:

      Ein TER, um den geht es hier wohl, von 0,4 % ist schon recht teuer. Es gibt ETFs mit einem TER von 0,07 %. Das ist schon recht günstig für das man keine Arbeit mehr hat.
      Bei Aktien musst du schauen, ob die Dividende richtig verbucht wird, Kapitalmaßnahmen beachten, Dich mit der Quellensteuer rumschlagen usw.

      Wenn ich keine Lust mehr auf Börse hätte, würde ich trotzdem woanders als in einen ETF investieren:

      Berkshire vs. S&P 500 vs MSCI World

      schwarz = Berkshire-Hathaway – blau = S&P 500 – grün = MSCI World

      Welchen Trick habe ich hier angewandt?

  3. einkommenmillionaer sagt:

    Sehr schöner Artikel. Diese Vergötterung des ETFs ist so nervig!

    • ZaVodou sagt:

      Danke, Einkommensmillionär (wäre ich auch gern).
      Wie gesagt, finde ich ETFs per se nicht schlecht und für viele Anleger eine gute Sache, die sich nicht groß für Wirtschaft und Börse interessieren.

      • einkommenmillionaer sagt:

        Das stimmt schon. Allerdings wird das ganze so kommuniziert, als würde man als aktiver Anleger mit Absicht auf Rendite verzichten (Selbst wenn das Kapital für eine vernünftige Diversifikation reicht). Ich mag einfach keine Gebühren, auch wenn es nur 0,4% sind. Und ich möchte Firmen besitzen, keine Produkte 🙂
        Liebe Grüße

  4. S@b3r Rid3r sagt:

    Und wenn ich die Kohle nicht in eins habe, oder lieber monatlich investiere, dann kann ich immer noch einen Sparplan auf eine sparplanfähige Einzelaktie wählen, welche gerade günstig aussieht.
    So kommt auch nach und nach ein Unternehmen nach dem anderen ins Depot.

    • ZaVodou sagt:

      Wie geschrieben. Ich würde es nicht so machen. Ich würde die Gelder aus Sparen und/oder Dividende so lange ansparen bis ich etwas günstiges gefunden habe.
      Also keinen automatischen Sparplan oder automatische Dividendenwiederanlage.

      • S@b3r Rid3t sagt:

        Ok. Danke für deine Ausführungen. Werde ich berücksichtigen.
        Macht ja eigentlich auch Sinn. Anfangs will man den Kleinkram als Anfänger nur weg haben und investiert sein.
        Ist klar, dass viel mehr Auswahl besteht als wenn man sich auf sparplanfähige Aktien beschränken muss. Danke!

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