Ist die Abgeltungssteuer gerecht?

Veröffentlicht: 21. Dezember 2015 in Lesenswerte Artikel
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Heute erschien in der FAZ ein Artikel mit der Überschrift „Gerechte Abgeltungssteuer“ von Manfred Schäfer (promovierter Volkswirt und Wirtschaftskorrespondent), der mich heute zu diesem Blogeintrag quasi zwang.

Was mich aufregte, war seine Sicht auf die Besteuerung der Dividende, die er – so scheint es mir jedenfalls – als gerecht bzw. für in Ordnung empfindet.

Ich zitier an dieser Stelle mal aus dem Artikel:

Bei Dividenden ist zu berücksichtigen, dass auf der Unternehmensebene Ertragsteuern anfallen. Die gesamte Belastung ausgeschütteter Gewinne ist damit in etwa so hoch wie die normale Einkommensteuer plus Soli in der Spitze.

Zuvor schreibt er noch folgendes über den Spitzensteuersatz:

Während Arbeitseinkünfte abhängig vom Einkommen mit bis zu 42 Prozent (in der Spitze sogar mit 45 Prozent) besteuert werden, gilt für Kapitaleinkünfte ein Pauschalsatz von 25 Prozent.

Hier gibt der Autor schon mal zu, dass man als Aktionär, der eine Dividende erhält, Spitzensteuersätze zahlt.

Der Autor scheint es also für ganz o.k. zu halten, wenn Lieschen Müller, die von ihrem Durschschnittslohn etwas für die Altersvorsarge abzwackt und in Aktien anlegt, weil ihr die Zinsen zu niedrig sind, Spitzensteuersätze auf ihre Dividende zahlt.

Meine Sicht der Dinge:
In Deutschland zahlt eine Aktiengesellschaft Körperschaftssteuer, die bei 15 % + Soli von 5,5 % liegt. Dazu kommt noch die Gewerbesteuer, die von den Gemeinden erhoben wird und unterschiedlich hoch ausfällt.
Wie so oft ist wichtig, was hinten raus kommt bzw. wie viel Steuern jetzt insgesamt erhoben werden.

Auf Wikipedia habe ich eine Tabelle gefunden, die aufzeigt, wie hoch die Gesamtbesteuerung für Unternehmen im internationalem Vergleich ist.
Für Deutschland wird dort eine Gesamtbesteuerung von 29,83 % – also rund 30 % – ausgewiesen.
Lieschen Müller zahlt also auf die Gewinne rund 30 % Steuern( Körperschaftssteuer+Gewerbesteuer+Soli). Dann werden ihr noch mal 25 % Kapitalertragssteuer (Abgeltungssteuer) und davon noch mal 5,5 % Soli abgezogen. Das entspricht einer Besteuerung von 48,46 %.

Lieschen Müller muss also nicht einen Spitzensteuersatz von 45 % zahlen, sondern hat einen noch höheren Steuersatz von über 48 %!

Da viele deutsche Aktionäre gerne in deutsche Aktien anlegen, weil die ihnen geläufiger sind und man in etwas investieren soll, was man kennt, liegt also der Gesamtsteuersatz für viele deutsche Aktiensparer nicht bei 45 %, sondern bei über 48 %.

Viele Anleger legen außer in deutschen Aktien noch gerne in US-Aktien an. Da ist der Gesamtsteuersatz dann allerdings noch höher.

Fazit::
Man sieht, dass jemanden wie Lieschen Müller, die dem Staat nicht auf der Tasche liegen und fürs Alter vorsorgen will, mit relativ hohen Steuern auf ihre Dividendenerträge die Vorsorge erschwert wird.

An dieser Stelle möchte ich auch noch mal ein paar Worte zum Freibetrag los werden, der bei 801,- Euro für eine Einzelperson liegt.
Wenn man mal „normale“ Zinsbeträge voraussetzt, die ich mal bei moderaten 4 % ansetze, dann möchte unser Staat, deren Volksvertreter wir ja wählen, dass die Erträge aus einem Betrag von rund 20.000 Euro (20.000 EUR x 4 % = 800 EUR) unangetastet bleiben.

Mit anderen Worten: Der Staat hält einen Betrag bis lediglich 20.000 EUR für unterstützenswert. Ob das fürs Alter ausreicht?

Das sollte jeder mal bei der nächsten Wahl seines Volksvertreters bedenken.

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Kommentare
  1. Christopher Schmidt sagt:

    Hallo Zusammen,

    ich verstehe die Aufregung um die „zu hohe Besteuerung“ Eurer Dividendenerträge irgendwie nicht. Also die Abgabenlast ist mehr oder weniger genauso hoch wie bei anderen Einkunftsarten (nur nebenbei: einige interessante Details zur jeweiligen Besteuerungsgrundlage sowie Wahlrechten habt ihr alle anscheinend übersehen). So weit so gut. Nun meine Frage: Ähhhhh….ja und? Wieso sollte das denn nicht so sein? Wer Geld verdient, muss darauf Steuern zahlen! Ist doch völlig normal!!! Das Tolle an Dividendeneinkünften ist doch vielmehr, dass man sie fürs „Nichtstun“ bekommt. Und nicht, dass sie steuerlich irgendwie begünstigt wären.
    Und wem das nicht gefällt, kann ja seinen Wohnsitz und den gewöhnlichen Aufenthalt in ein anderes Land verlegen. Vielleicht dorthin, wo die Steuersätze niedriger sind? Finanzgeschäfte kann man ja von jedem Ort der Welt mit Internetanschluss aus machen, gell? 🙂

    Ich bin auch ein großer Verfechter des passiven Einkommens aus Dividenden aber diese ungerechtfertigte Kritik ohne wirkliche sachliche Argumente kann ich irgendwie nicht nachvollziehen.

    VG
    Christopher

    • ZaVodou sagt:

      Hallo Christopher,
      es geht hier nicht darum keine Steuern zu zahlen. Ein Staat muss sich finanzieren und ist auf Steuereinnahmen angewiesen. Keine Frage.
      Die meisten Leser dürften hier einer unselbständigen Beschäftigung nachgehen oder zumindest einen persönlichen Steuersatz haben, der (weit) unter dem Spitzensteuersatz liegt.
      Wie ich ausgeführt habe zahlt die Firma in die man als Aktionär investiert schon Steuern. Darauf kommt noch mal Abgeltungssteuer, so dass man insgesamt auf einen Steuersatz kommt, der über dem Spitzensteuersatz liegt.
      Diesen Steuersatz zahlt also auch jemand, der z. B. „nur“ auf ein zu versteuerndes Einkommen von 36.000 Euo kommt, weil eben keine Anrechnung der vorher von der Firma geleisteten Steuer stattfindet.
      Wenn Du das für in Ordnung und für gerecht empfindest, dann ist das Deine Meinung, die ich Dir zugestehe. Allerdings müsstest Du mir jetzt mal erklären, warum diese Kritik ungerechtfertigt ist und warum Du es für in Ordnung empfindest, dass die Steuern, die die Firma zahlt keine Anrechnung findet und Lieschen Müller somit den gleichen Steuersatz wie eine Frau Klatten hat.

      • Christopher Schmidt sagt:

        Hallo Zavodou,

        also genaugenommen sprichst Du ja von der Abgeltungssteuer. Man kann den Eindruck gewinnen, dass Du davon ausgeht, dass die von der Bank einbehaltene Abgeltungssteuer final ist. Das ist sie nicht. Jeder Steuerpflichtige hat die Möglichkeit, im Veranlagungsverfahren den Steuerabzug überprüfen zu lassen.

        Wenn also Lieschen Müller am Ende des Jahres nur einen Grenzsteuersatz von 30% auf alle ihre (Welt-)einkünfte hat, erhält sie die insoweit zu viel einbehaltenen Kapitalertragssteuern zurück erstattet (Günstigerprüfung), Par. 32 Abs. 6 EStG. So wird auch sichergestellt, dass unsere Lieschen Müller eben nicht denselben Satz wie Frau Klatten bezahlt. Vielmehr ist die Abgeltungssteuer und die korrespondierende Begünstigung bestimmter Kapitaleinkünfte im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung sogar steuersystematisch und verfassungsrechtlich bedenklich. Denn in der Tat stellt sie für die Besserverdiener (mich zum Bespiel) eine rechtlich und ethisch eigentlich nicht zu begründende Besserstellung dar.

        Also könnte man doch zum Ergebnis kommen, das alles soweit in Ordnung ist, oder? 🙂

        Oder habe ich jetzt irgendwas vergessen oder übersehen?

        Zu Deinen Ausführungen zur von der Gesellschaft getragenen Körperschaft- und Gewerbesteuer ist nur festzustellen, dass Du hier „Äpfel mit Birnen“ vergleichst. Der Wechsel vom Anrechnungs- zum Halb- und später Teileinkünfteverfahren und dann final zum System der Abgeltungsbesteuerung sieht eben diese (auch vorher schon unsystematische) Durchbrechung des Prinzips der Trennung der Besteuerungssubjekte nicht mehr vor. Das mag einem nicht gefallen, erscheint aber auch dem BVerfG durchaus gerechtfertigt…

        VG
        Christopher

        • ZaVodou sagt:

          Lieschen Müller kann zwar in die Veranlagung gehen, was verbleiben ihr aber von den 100 Euro, die ihre AG erwirtschaftet hat nach Abzug der Steuern, die die AG und die sie gezahlt hat? Da liegen die Steuern immer noch im Spitzensteuerbereich.
          Die Auffassung des Bundesverfassungsgericht muss ich ja nicht teilen. Ich fände es gerechter, wenn die Steuern, die die AG schon gezahlt hat bei der Besteuerung des Individuums Berücksichtigung finden würde.

          • Christopher Schmidt sagt:

            Hallo Zavodou,

            also wenn Lieschen Müller ein zu versteuerndes Einkommen von sagen wir 36.000 € hat. Davon sind 12.000 € Dividenden. Auf die Dividenden hat sie bei Erhalt etwa 27% KapESt und SolZ bezahlt, also etwa 3.240 €. Die anderen 24.000 € sind nichtselbständige Einkünfte. Darauf hat Ihr AG etwa 2.600 € LSt abgeführt. Das macht etwa 5.840 € gezahlte Steuern bei meinem Einkommen von 36.000 €. Das entspricht ziemlich genau der „richtigen“ Steuer. Der Durchschnittssteuersatz beträgt ca. 16,2%. Das ist doch kein Spitzensteuersatz! Weder auf die Dividenden noch auf den Lohn. Der Grenzsteuersatz sollte hierbei irgendwo bei etwa 30% liegen.

            Die AG und Lieschen Müller sind rechtlich nun mal zwei verschiedene Steuersubjekte.

            • ZaVodou sagt:

              Du hast wieder unterschlagen, was die AG bereits an Steuern gezahlt hat und die Frage nicht beantwortet, was von 100 Euro Gewinn, den die AG erwirtschaftet bei ihr letztendlich hängen bleibt.
              100 Euro Gewinn. 30 % zahlt die AG. Verbleiben 70 Euro. Auf die 70 Euro zahlt sie einen Durchschnittssteuersatz von 16 %. Verbleiben ihr 58,80 EUR. D.h. insgesamt wurden 41,2 % Steuern gezahlt.

              Das man es auch anders machen kann zeigt das Land Australien: (siehe Körperschaftssteuer)

  2. Alexander sagt:

    Dem ist nichts hinzuzufügen, nur das will keiner hören. Schon gar nicht unsere Grünen Politiker, die sehen alle nur die 25 %.
    Bei einem muss ich dir aber widersprechen. Durch das Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA stellt man sich bei etwas höheren Dividendenerträgen nicht besser und nicht schlechter als mit deutschen Aktien. Man hat „nur“ das Währungsrisiko.

    • ZaVodou sagt:

      Sind aber nicht nur die Grünen Politker.

      Vielleicht kam es nicht so richtig raus, aber in den USA, hier am Beispiel New York, ich weiß nicht, wie es in anderen Bundesstaaten aussieht, zahlt die AG 40 % Gesamtsteuern auf den Gewinn.
      In Deutschland ja „nur“ 30 %, weswegen man nach Abzug der Abgeltungssteuer, auch wenn da 15 % angerechnet werden, insgesamt noch mehr Steuern gezahlt hat. Auch wenn der deutsche Fiskus nicht so viel davon hat.

      Lieschen Müller, um mal beim Beispiel zu bleiben, muss von dem Gewinn, den ihre US-Beteiligung erwirtschaftet hat insgesamt schon mal 49 % an den amerikansichen Fiskus abgedrücken.
      Bei 100 USD Gewinn zahlt die AG 40 % Steuern. Bleiben 60 USD übrig. Von denen dann noch mal 15 % als Quellensteuer bei Ausschüttung abgezogen werden. Sind 9 USD, so dass von ursprünglich 100 USD nur noch 51 USD übrig bleiben.
      Die 15 % Quellensteuer sind eigentlich ungerecht, weil so getan wird, als ob Lieschen Müller eine sehr gutes Einkommen hätte. Als US-Bürgerin würde sie als Normalverdienerin nämlich keine weiteren Steuern mehr zahlen.
      Ich hatte das mal hier zum Ausdruck gebracht. Was auch zeigt, dass Florida ein ganz gutes Ziel für Dividendeninvestoren wäre.
      Ich finde es ganz gut, wie es Australien macht. Die AG zahlt einen gewissen Steuersatz. Liegt der persönliche Steuersatz bei Dividendenzahlung über dem, was die AG gezahlt hat, muss man noch was an den Fiskus nachzahlen. Liegt der persönliche Steuersatz darunter, bekommt man sogar noch etwas raus.
      Funktioniert natürlich nur bei einheimischen Gesellschaften. Würde die Bevölkerung aber dazu animieren eher im eigenen Land zu investieren, was aber nicht schlecht für den Staat insgesamt wäre.

  3. dividendenhamster sagt:

    Sehr guter Artikel. Auch, mir fehlt etwas die Hoffnung, dass der Prozess des Abkassierens von Kleinsparern und Aktionären aufhört. Bleibt uns neben dem Dividenden-Aktien-Investieren und der Passiven Einkommensbildung allerdings keine andere Wahl.

    Selbst Spenden mit Quittung und Einzelauflistung von Lebensmitteln erlaubte sich das Finanzamt von mir im letzten Jahr abzulehnen. (Habe von der Tafel e.V. damals leider keine Spendenquittung erhalten).

    Zu jedem Trend gibt es aber auch ein Gegentrend und die Hoffnung gebe ich nicht auf. Mehr möchte ich hier zum Thema nicht kundtun.

    Allen Dividenden-Fans erholsame Festtage, einen gesunden Rutsch ins Jahr 2016 und auf einen weiteren kontinuierlich, steigenden Dividenden-(Einkommens-) Strom.

    Es macht immer wieder Spaß auch hier als „stiller Leser“ dabei zu sein.

    • ZaVodou sagt:

      Ja, danke, wünsche ich auch und das wir auch 2016 gute Entscheidungen dahingehend treffen, wohin wir unser sauer verdientes Geld investieren, so dass es Früchte trägt, trotz aller widrigen Umstände.

      Ich versuche auch 2016 meinen bescheidenen Anteil dazu beizutragen und meine Sichtweise darzustellen.

      • Arminius sagt:

        Lese hier auch sehr gern mit! Schnörkellos und Präzise.
        Die doppelte Besteuerung des Unternehmensgewinnes.
        Also im Unternehmen und später beim Aktionär hatte ich noch gar nicht in der Optik.

        Trotzdem entscheide ich mich weiterhin an Unternehmen beteiligt zu sein und die Dividenden „gleich“ zu versteuern als irgendwelche Versprechungen im Sinne von Riesterverträgen zu erhalten.

        Die Steuern und Abgaben des Unternehmens vorweg habe ich gar nicht gesehen. Bzw. ja gehört dazu deren Sache. Aber als Miteigner ist das natürlich nicht unternehmerisch gedacht.

        Frohes Fest und danke für diese tolle Seite, die ich gern ab und zu ansurfe.

        Gruß
        Arminius

        • ZaVodou sagt:

          Danke, Arminius.
          Natürlich wäre es ein Fehler trotz widriger Besteuerung auf Aktien zu verzichten. Ich wollte nur mal klarstellen, was 25 % Abgeltungssteuer plus Soli bedeuten. Das das eben nicht gerade wenig ist, wenn man sich die Gesamtbesteuerung anschaut. Auch in Anbetracht dessen, dass manche Politiker noch höhere Abgaben fordern, aber gleichzeitig wollen, dass der Einzelne fürs Alter vorsorgen soll.
          Das das auch anders geht zeigt das Beispiel USA, wo es Konten für die Altersvorsorge gibt – 401 (k) bzw. Roth IRA -, wo keine Steuern auf Dividenden und Gewinne durch Aktienverkäufe erhoben werden.

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