Was hälst Du vom Rebalancing?

Veröffentlicht: 9. April 2015 in Fragen
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Was hälst Du vom Rebalancing, also dem Teilverkauf einer Position, wenn sie einen vorher bestimmten Anteil an einem Depot überschritten haben?

Beispiel: Es wurde vor der Depotzusammenstellung festgelegt, dass keine Position mehr als 5 % in einem Depot ausmachen soll. Sobald eine Position mehr als 5 % ausmacht, wird ein Teil verkauft, so dass man mit der Position wieder unter 5 % ist.

Ich halte nichts davon. Buffett hat es einmal damit verglichen, dass das so wäre als würden die Chikago Bulls Michael Jordan verkaufen, nur weil er so ein wertvoller Spieler für die Mannschaft geworden ist und Peter Lynch meinte dazu, dass das so wäre als würde man die Blumen abschneiden und das Unkraut züchten.

 

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Kommentare
  1. ZaVodou, klar der Gewinn wird versteuert. Aber du sollst das Geld ja nicht unters Kissen packen und 5 Jahre warten bist du die gleiche Aktie wieder mit einer guten Dividendenrendite kaufen kannst. Du legst dein Geld einfach in eine alternativ passende Aktie an. Und unterm Strich ist das durchaus sinnvoll, da die hohen Kursgewinne in den kommenden Jahren mitunter mehr bringen als niedrige Dividendenenditen. Du verkaufst eine teure Aktie mit Dividendenrendite von 1,5% und legst das Geld in eine mit 3% die aktuell eine historisch hohe Dividendenrendite bietet. Auf einen Schlag bekommst du doppelt so viel Dividende ausbezahlt und hast zudem noch das Kurspotential. Unterm Strich ist das weit mehr Wert als der Steuerabzug. Man muss halt Aktien finden die aus der Reihe tanzen und dann zuschlagen.

    Im Grunde schreibt es Michael ja auch so im letzten Kommentar: Wenn die Bewertung nicht mehr passt, dann verkauft man. Und wenn der Kurs zu deutlich sinkt, obwohl dies fundamental nicht gerechtfertigt ist, dann stockt man auf.

    Genau darum geht es: wenn bestimmte Kurse erreicht werden (nach unten wie nach oben) die fundamental nicht mehr gerechtfertigt sind.

    Nichts anderes mache ich. Eine historisch niedrige Dividendenrendite bedeutet, der Aktienkurs ist derart hoch, dass die Aktie eine massiv hohe Warscheinlichkeit hat eher zu fallen als weiter zu steigen. Selbst wenn sie weiterhin das hohe Niveau halten könnte, wäre es nicht sinnvoll sie zu halten.

    Ich verkaufe also eine sehr teure Aktie und investiere in eine Aktie die genau das Gegenteil darstellt. Zwei Beispiele aktuell: Mattel und GlaxoSmithKline sowie einige Öl- und Rohstoffwerte sind im Moment kaufbar. Alle sind langjährige und verlässliche Dividendenzahler.
    Aber eine Axel Springer würde ich ab 60 Euro mit einem Trailingstop versehen und dann verkaufen. Auch eine Bayer würde ich mit einem Stop versehen. Einfach zu teuer mit einer Dividendenrendite von knapp 1,6%.

    Die erst genannten Unternehmen haben eine historisch hohe Dividendenrendite was entweder am Unternehmen selbst oder der Branche liegt (muss man sich im Einzelfall immer anschauen) und AS und Bayer haben eine historisch niedrige Dividendenrendite. Da AS die Dividende zudem nicht angehoben hat, wird die Aktie mit weiter steigenden Kursen und mit Blick auf die Dividendenrendite uninteressant. Wenn du AS und Bayer damals zu historisch hohen Dividendenrenditen gekauft hast, dann sitzt du auf dreistelligen % Kursgewinnen! Und die könnte man realisieren und in bessere Dividendenrenditen anlegen. Da gibts einige Möglichkeiten im Medien und Pharma Bereich.

    Ich habe das grob mal in einem Gastartikel skizziert, vielleicht ist das verständlicher.
    http://business24.ch/2015/04/09/warum-es-bei-der-auswahl-von-dividenden-aktien-auf-den-richtigen-zeitpunkt-ankommt/

    Ansonsten kann natürlich jeder so handeln wie er mag. Es gibt kein richtig und kein falsch. Aber wenn es was zum optimieren gibt, sag ich nicht nein und nutze die Chance.

    Gruß
    Alex

    • ZaVodou sagt:

      Hallo Alex,
      das Prinzip hatte ich schon verstanden. Es ist aber nicht meine Art des Investierens, weil ich im Großen und Ganzen langfristig investiert bleiben will. Am besten für immer, um die Transaktionskosten und Steuern niedrig zu halten. So lange eine Aktie, die ich gekauft habe die Ergebnisse bringt, die ich erwartet habe, stetig – steigende Dividende – würde ich mich nicht von einer Aktie trennen. Verkaufen würde ich wahrscheinlich, wenn ich sie für maßlos überteuert halten würde.
      Das das standige Kaufen und Verkaufen auf Dauer erfolgreich ist, daran habe ich meine Zweifel, aber ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deine Transaktionen. Immerhin hast Du ja es auch zur FU gebracht.

      Ahoj
      ZaVodou

  2. Rebalancing bedeutet ja, auf den Zufall zu setzen, nicht begründet zu investieren. Denn die Entwicklung eines Unternehmens richtet sich ja nicht danach, zu welchem Kurs und in welcher Menge ein Anleger in gerade diese Aktie eingestiegen ist. Man sollte sich also ausschließlich daran orientieren, ob ein Unternehmen noch stetige Wachstumschancen aufweist und attraktiv bewertet ist. Dann sollte man den Aktienanteil nicht reduzieren, nur weil er eine bestimmte Größe erreicht hat. Stimmen die ursprünglichen Annahmen nicht mehr und/oder haben sich die Aussichten nachhaltig eingetrübt, ist eher die gesamte Position ein Verkauf.

    Rebalancing macht eigentlich nur dann Sinn, wenn eine Position ein zu großen Anteil am Gesamtdepot einnimmt, so dass sie ein erhebliches Risiko darstellt. Also wenn die Bulls nur Michael Jordan hätten und ansonsten eher Durchschnittsspieler – dann sollten sie sich überlegen, ob sie nicht Jordan verkaufen und mehrere überdurchschnittliche Spieler einkaufen, um ausgewogener und breiter aufgestellt zu sein. Und um das Risiko zu vermindern, dass der einzige Top-Spieler dauerhaft schwächelt oder sich verletzt.

    Grundsätzlich bin ich aber Buffetts Meinung der Konzentration bei Investments und eher nicht der von Peter Lynch, der ja alles querbeet gekauft hat, wenn er von einer Branche überzeugt war. Buffett meint, warum er in den Zweitbesten investieren sollte, wenn er doch auch Aktien des Besten erwerben könne…

    • ZaVodou sagt:

      Hallo Michael,
      grundsätzlich sehe ich das genau so. Ich würde in dem Fall in die zweitbeste Aktien investieren, wenn sie mir mehr Rendite versprechen würde, weil sie billiger ist oder ich nicht ausmachen kann, was die bessere Aktie ist.
      Pepsi oder Coca-Cola? In dem Fall kaufe ich mich in beide Unternehmen ein. Mir kann es jetzt egal sein, ob die Leute eine Cola von Pepsi oder Coca-Cola trinken, um das mal an einem Beispiel fest zu machen.

      • Das ist der Lynch-Ansatz. Als er erkannte, welches Potenzial in Billig-Hotels ohne Restaurant steckte, kaufte er nicht nur den Innovator, sondern gleich auch die Konkurrenten. Buffett, wie gesagt, sucht sich das beste dieser Unternehmen aus. Es sei denn… die Geschäftsmodelle sind extrem vergleichbar, wie bei VISA und Mastercard. Die unterscheiden sich einzig in der Größe. Und im Logo. 😉

  3. Hi,
    ich mach das schon. Allerdings nicht wie du es beschreibst, wenn eine Position größer wird als im Depot vorgegeben. Für mich ist die Dividendenrendite ausschlaggebend.
    Wenn eine Aktie mit einer historisch niedrigen Dividendenrendite gehandelt wird, also der Aktienkurs hoch steht im Vergleich zur Dividende, dann verkaufe ich Teile oder sogar ganz. Je nach dem wie das Setup aussieht.
    Umgekehr investiere ich dann. Wenn eine Dividendenrendite historisch gesehen selten hoch ist, dann baue ich Positionen auf.
    Vorteil: Man verkauft Teile seines Depots wenn Aktien zu teuer sind und sammelt ein wenn sie vergleichsweise günstig zu haben sind. Bei ein und der selben Aktie kommt ein Hoch und ein Tief der Dividendenrendite nur alle paar Jahre vor, daher ist da nicht so viel zu tun. Aber mit diesem Rebalancing erzielt man neben guten Dividendenrenditen auch hohe Kurszuwächse.
    Der übliche Buy&Hold Anleger sitzt ja die Tiefs aus und freut sich wenn die Aktien übertrieben teuer sind.
    Bei mir im Blog startet gerade eine Artikelserie genau zu diesem Thema des Rebalancing. Vielleicht schaust mal vorbei. Dort nenne ich auch Beispiele wie das in der Praxis funktioniert.
    Gruß
    Alex

    • ZaVodou sagt:

      Hallo Alex,
      wenn Du mit dieser Methode Erfolg hast, dann mach das so weiter. Ich mag meine Aktien ungern verkaufen, nur weil sie vermeindlich etwas zu teuer geworden sind (historisch niedrige Dividendenrendite), da man bei einem Verkauf 25 % Abgeltungssteuer + Soli Zahlen müsste. Um diesen Betrag müsste die Aktie erst mal wieder fallen, damit ich das frei werdende Geld wieder anlegen kann. Wer garantiert mir aber, dass die Aktie wieder so weit fällt?
      Der übliche Buy&Hold-Anleger sollte nicht nur Tiefs aussitzen, sondern möglichst in solchen Situationen zukaufen. Warum sich manche Leute, die gerade dabei sind sich ein Depot aufzubauen, über steigende Kurse freuen, verstehe ich allerdings auch nicht.

      Ahoj
      ZaVodou

    • @Alex
      „Der übliche Buy&Hold Anleger sitzt ja die Tiefs aus und freut sich wenn die Aktien übertrieben teuer sind.“

      Naja, das ist jetzt sehr vereinfacht und NICHT der Buy&Hold-Ansatz. Obwohl einige Anleger sich durchaus so (dumm) verhalten mögen. Buy&Hold bedeutet, langfristig investiert zu sein, das ist richtig. Aber nicht ohne Sinn und Verstand! Wenn die Bewertung nicht mehr passt, dann verkauft man. Und wenn der Kurs zu deutlich sinkt, obwohl dies fundamental nicht gerechtfertigt ist, dann stockt man auf. Auch Warren Buffett hat seine großen Positionen im Portfolio ja nicht auf einen Schlag erworben, sondern mit der zeit immer mal wieder aufgestockt. Ob Coke oder Wells Fargo – in Krisenzeiten kaufte er kräftig nach. Und er verabschiedet sich von Aktien, wenn er anderswo bessere Chancen sieht. Wie zuletzt bei ExxonMobil, da hat er ja „gestanden“, dass er das Unternehmen weiterhin für attraktiv und aussichtsreich hält, er aber glaubt, anderswo böten sich ihm bessere Investitionsgelegenheiten. Und einige Wochen später hat er sich Kraft Foods einverleibt, um sie mit seiner (inzwischen auf Rendite getrimmten) Heinz Ketchup zu verschmelzen.

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