John Neff

Veröffentlicht: 14. August 2014 in Börsenlegenden, John Neff
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Tätigkeitsbeschreibung
Bis zu seiner Pensionierung war John Neff Leiter des Vanguard Windsor-Fonds, der nun durch den Vanguard Mutual Funds of Chicago, Illinois, USA weitergeführt wird.

Investmentstil
Er betrieb reines Value-Investing, das darauf basierte, gute Unternehmen mit einem moderaten Wachstum und hohen Dividenden zu kaufen. Verkauft wurden die Werte sobald diese ihren fairen Wert erreichten.

Profil
Neff ist als der Profi unter den Profis bekannt, weil viele Fondsmanager ihm ihr Geld anvertrauten, da sie glaubten, dass ihr Geld bei ihm in sicheren Händen wäre. Diese Ansicht rührte aus seiner bemerkenswert konstanten Leistung her, da der Windsor Fonds mehr als 30 Jahre lang sich routinemäßig unter den Top fünf Prozent aller US-Investment-Fonds befand.

Neff studierte Industriemarketing an einer Hochschule. Er besuchte zusätzlich Abendkurse, um einen Abschluss in Banking und Finance zu erhalten. Im Jahr 1954 wurde er Wertpapieranalyst bei der National City Bank von Cleveland. Sowohl dort als auch bei seiner nächsten Firma, Wellington Management, verfolgte er einen Value-Stil, der auf den Schriften von Ben Graham basierte. Er fuhr mit diesem Anlagestil bei drei weiteren Aktien- und Rentenfonds (Gemini, Windsor und Qualified Dividends) mit spektakulären Ergebnissen bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1995 fort.

Er war ein bescheidener Mann, der seine Kollegen dazu ermutigte, unter seiner Regie mit ihm zusammenzuarbeiten. Neff hatte während seiner Karriere niemals versucht sich  – wie so manch andere erfolgreiche Manager – hervorzuheben. Aber mit der kürzlich erschienenen Veröffentlichung seiner Memoiren – John Neff on Investing – hat er schließlich doch die Anerkennung gefunden, die ihm bebührt.

Langfristige Renditen
Die durchschnittliche jährliche Gesamtrendite des Windsor Fonds während Neffs 32-jähriger Amtszeit betrug 13,7%. Der S&P500-Index erreichte in der gleichen Zeit eine Rendite von 10,6%.

Größter Erfolg
Neff investierte einen großen Teil seines Fonds 1984 in Ford, als man fürchtete, dass Ford Pleite gehen könnte und das KGV auf 2,5 sank. Er bezahlte einen Durchschnittspreis von weniger als 14 USD. Innerhalb von 3 Jahren kletterte der Kurs auf 50 USD. Der Windsor Fonds machte dadurch einen Gewinn von 500 Millionen USD.

Methoden und Richtlinien
Neff beschreibt sich selbst als „Niedrig-KGV-Anleger“. Er hält dabei nach Aktien Ausschau, die günstig bezogen auf die Gesamtrendite (Summe aus Gewinnwachstum und Dividendenrendite) sind.
Er nennt dies „Terminal-Beziehung“ oder umgangssprachlicher „man bekommt das, wofür man bezahlt“. Man könnte es auch als GYP-Verhältnis [(Growth+Yield) ÷ Price/Earning] bezeichnen.

GYP = (Gewinnwachstum+Dividendenrendite) ÷ KGV

Neff empfiehlt das GYP-Verhältnis seiner Aktien bzw. des gesamten Portfolios mit dem des Marktes zu vergleichen.

Beispiel:
Ihr Portfolio:
Durchschnittlich prognostiziertes Gewinnwachstum pro Aktie in % für das Portfolio plus durchschnittliche prognostizierte Dividendenrendite für das Portfolio geteilt durch den durchschnittlich prognostizierten Kurs/Gewinn für das Portfolio

GYP = (7 + 5) ÷ 10 = 1,2

Markt:
Durchschnittlich prognostiziertes Gewinnwachstum pro Aktie in % des Marktes plus durchschnittliche prognostizierte Dividendenrendite des Marktes geteilt durch den durchschnittlich prognostizierten Kurs/Gewinn des Marktes

GYP = (15 + 2) ÷ 28 = 0,6

Gemäß den oben genannten Zahlen würde Ihr Portfolio doppelt so attraktiv wie das des Marktes sein.
(Dies ist nur ein Beispiel. Die tatsächliche Zahlen wären normalerweise sehr viel näher beisammen.

Vermeiden Sie sich Aktien ins Depot zu legen, die die Attraktivität ihres Depots signifikant reduzieren. Setzen Sie sich stattdessen einen Zielkaufpreis, der zu dem GYP führt, das Sie haben wollen und warten Sie bis der Preis auf dieses Level gefallen ist.
Wenn zwei Unternehmen eine voraussichtliche Rendite von 14 % versprechen und Firma A ein Gewinnwachstum von 14 % hat und keine Dividende, wohingegen Firma B ein Gewinnwachstum von 7 % und eine Dividendenrendite von 7 % aufweist, ist es besser Firma B zu wählen, da die Dividende das Ergebnis sicherer macht.

Diesem Prinzip folgend verfolgte Neff immer einen einfachen Anlagestil, der auf folgendene sieben Auswahlkriterien basierte:

1. Niedriges KGV
2. Gewinnwachstum > 7 %
3. eine solide und idealerweise steigende Dividende
4. Eine viel bessere durchschnittliche Gesamtrendite in Bezug auf das KGV
5. Keine Engagements in einer zyklischen Abschwungphase ohne ausgleichend niedriges KGV
6. Solide Unternehmen in wachsenden Bereichen
7. Ein wirklich fundamentaler Grund für das Investment

Quelle: John Neff on Investing, John Neff 1999

Ein guter Ort, um nach Ideen zu suchen ist die Spalte „Neuste Tiefststände“ auf den hinteren Seiten der Financial Times. Viele, wenn nicht sogar die meisten der erwähnten Firmen sind für gewöhnlich schlechte Investments, aber manchmal findet man dort auch Aktien von überraschend guten Unternehmen, die bei schlechten Nachrichten auf neuste Tiefststände gefallen sind.

Prüfen Sie diese auf die sieben Auswahlkriterien. Neff nennt dies den „Hmmmph“-Test: Einige Namen, die ich nicht auf dieser Liste erwartet hätte entlockten ein hörbares Hmmmph.

Jagen sie nicht nach weithin bekannten Wachstumsaktien. Deren KGVs befinden sich meist in lächerlich teuren Sphären. Dies erhöht die Gefahr erheblich, dass der Aktienkurs plötzlich zusammenbricht.

Halten Sie sich an einer festen Verkaufsstrategie oder Sie riskieren Ihre Gewinne.

Es gibt zwei wesentliche Gründe zu verkaufen:
1. Die Fundamentaldaten verschlechtern sich
2. Der Kurs nähert sich oder entspricht Ihren Erwartungen

Die wichtigsten Fundamentaldaten auf die man ein Auge werfen sollte, sind die Gewinnschätzungen und die 5-Jahres-Wachstumsraten. Wenn diese anfangen zu fallen, muss man sofort verkaufen.

Achten Sie mehr auf das GYP-Verhältnis Ihres Portfolios als auf das des Marktes. Wenn der Markt sehr teuer wird und es schwierig wird kaufenswerte Kandidaten zu finden, ist es zulässig, bis zu 20 % seines Vermögens auch in Bargeld zu halten bis neue Chancen entstehen.

Die besten Gewinne lassen sich in der Regel nach einer Panik im Markt machen.

Die wichtigsten Aussagen
„Nicht Aktien mit atemberaubenden Wachstumsraten, sondern Aktien mit niedrigem KGV können das Wunder einer Kurs-Gewinn-Expansion bringen und das mit weniger Risiko als unberechenbare Wachstumsaktien“

„Als Niedrig-KGV-Investor müssen Sie lernen zwischen missverstandenen und übersehenen Aktien , die tatsächlich zu Ausverkaufspreisen gehandelt werden und den vielen glanzlosen Aktien, die eine glanzlose Zukunftsperspektive haben zu unterscheiden“

„Eine Dividendenerhöhung ist eine Art Sondergeschenk. Ein Sondergeschenk ist eines auf Rendite bedachten Investors Freude über die ursprüngliche Erwartung. Eine von Ben Franklins klugen Beobachtungen hat eine Parallele dazu: „Derjeninge, der auf das Glück wartet ist sich niemals seines Abendessens sicher“. Ich sehe es so: Eine schöne Dividendenrendite ist wie ein Hors d’oeuvres während man auf die Hauptmahlzeit wartet“

Eine ganze Menge Leute halten eine Aktie zu lange. Es gibt Ihnen ein kuscheliges Gefühl, insbesondere dann, wenn Sie eine Haltung als Contrarian einnehmen können und sich das mal bewehrt hat. Wenn sie  verkaufen würden, würden sie damit aber das Recht auf Prahlerei verlieren.

Weitere Informationen:
Eine kurzes Kapitel über Neff ist in der New Money Masters 1989 von John Train erschienen. Viel befriedigender und erhellender ist jedoch Neffs eigener Beitrag in dem Buch „John Neff on Investing“ (John Neff über Investitionen) (1999).

Übersetzung von Link
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John Neff legte großen Wert auf Aktien mit Dividenden, da er Dividenden als weitaus sicherer als Wachstum betrachtete.
Johnn Neff – wie viele andere Value-Investoren auch – versuchte nicht das zu kaufen, was jeder andere auch kaufte. Er hat immer das gekauft, was gerade günstig war. Wenn Autoaktien günstig waren, hat er seine Investments dann in diesem Bereich stark konzentriert.  1988 glaube er z. B., dass Finanzaktien billig wären, weswegen sich der Anteil im Portfolio in diesem Sektor auf 37 % belief.
Die Aktien, die durchschnittlich im Windsor-Fonds lagen, hatten ein um ein Drittel niedrigeres KGV und eine 2 % höhere Dividende als der Markt.
John Neff managte ein diversifiziertes Portfolio, das aus 70-80 Aktien bestand. Wenn er ein echtes Schnäppchen gefunden hatte, hat er bis zu 5 % des Vermögens in diese Aktie gesteckt. Allerdings hatten die meisten Aktien meist nur einen Anteil von ungefähr einem Prozent.
Kriterien nach denen John Neff Ausschau hielt:
  • eine starke Bilanz
  • positiver Cash Flow
  • ein überdurchschnittlicher ROE
  • gutes Management
  • Perspektiven für kurzfristiges Wachstum
  • ein gutes Produkt und einen Markt für dieses Produkt
John Neff hatte eine spezielle Formel, um nach attraktiven Aktien zu suchen. Er addierte zum geschätzten Wachstum die Dividendenrendite und teile dies durch das KGV.
Wenn z. B. das Wachstum 10 % , die Dividendenrendite 5 % und das KGV 7,5   betrug, Ergab das eine Vergleichsgröße von 2 [(10+5)/7,5= 2). Das wäre die Vergleichsgröße, die eine befriedigende Rendite erbringen würde.
Wenn eine andere Aktie ein Gewinnwachstum von 10 %, eine Dividendenrendite von 5 % und ein KGV von 15 hätte, würde man auf eine Vergleichsgröße von 1 [(10+5)/15=1) kommen, was weniger attraktiv wäre.
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