Maximalen Kaufkurs einer Aktie bestimmen

Veröffentlicht: 30. Juli 2014 in Allgemein
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Nachfolgend erfolgt eine Beschreibung, wie ich eine Preisobergrenze für eine Aktie bestimme.

Die erste Frage, die sich beim Zusammenstellen eines  Dividenden(wachstums)depot stellt, ist die, welche Eigenschaften bzw. welche Voraussetzungen sollte ein  geeigneter Kandidat  mitbringen. Ich habe meine Suchkriterien beim Thema Kaufkriterien abgehandelt.

Mit den so festgelegten Kaufkriterien kann man sich nun auf die Suche nach geeigneten Kandidaten für sein Dividenden(wachstums)depot begeben. Man kann dies  mit sogenannten Screenern machen oder klopft eine Aktie, die z.B. irgendwo empfohlen wird,  auf die vorher festgelegten Kaufkriterien ab.

Wenn man so einen Pool von geeigneten Kaufkandidaten zusammengestellt hat, stellt sich zwangsläufig die Königsfrage, wie viel bin ich bereit, für eine Aktie der gefundenen Firma maximal zu bezahlen.

Ich denke mal, dass ein großer Teil der Börsenteilnehmer sich darüber gar keine Gedanken macht, sondern ganz andere Überlegungen als Kaufgrundlage haben. Chartisten kaufen, z.B. weil eine 200-Tage-Linie von unten nach oben durchbrochen wurde, Käufer von Turn-around-Kandidaten kaufen, weil eine Aktie um 50 % eingebrochen ist. Andere kaufen, weil man der Überzeugung ist, dass das, was die Firma herstellt sich zukünftig toll verkaufen müsste, weil ein Freund, Bekannter oder ein Anlegermagazin die Aktie empfohlen hat usw.

Manche wertorientierte Käufer kaufen, weil die Aktie ein niedriges KGV oder KBV hat.

Meine Vorgehensweise ist eine andere. Meine ist auf die Dividende aufgebaut. Logisch, sonst würde der Blog wohl nicht Der Dividendeninvestor lauten.

Ich hatte mal ein Buch über Wertpapieranlage gelesen, da wurde beschrieben, dass man früher (30er/40er/50er- Jahre des vorigen Jahrhunderts) den Wert einer Aktie anhand der Dividende bestimmte. Ein Warren Buffett würde das nicht tun. Für ihn ist der Gewinn entscheidend. Hier hat Warren Buffett ganz klar recht. Logisch ist der Gewinn entscheidend und nicht die Dividende. Was für eine absurde Idee. Heute denke ich da etwas anders darüber, denn die Dividende ist das, was der Anleger letzten Endes in der Tasche hat. Die kann ihm nämlich keiner mehr weg nehmen. Mit jeder Dividendenzahlung bekommt man nämlich einen Teile seines investierten Geldes wieder zurück.

Wenn man nicht so sehr Wert auf die Dividende bzw. gar keinen Wert auf die Dividende legt, hofft man, dass der Markt gute Geschäftstäergebnisse in Form von höheren Kursen belohnt.

Mir als Dividendeninvestor – als einkommensorientierter Investor – kann es dagegen egal sein, wie der Markt meine Aktie bewertet. Mir ist nicht so sehr der Kursanstieg wichtig, weil ich meine Aktie ja nicht verkaufen will. Genauso wie ein Bauer seine Kuh, die ihm Milch gibt, nicht schlachtet, bin ich am Ertrag, also der Dividende, die die Aktie abwirft, interessiert und nicht so sehr am Kursgewinn.

Bei der Wertfindung habe ich jetzt eine Neuerung eingebaut. Ich habe an anderer Stelle in meinem Blog schon mal beschrieben, wie ich vorgehe. Dazu hatte ich dieses kleine Zinstabelle verwendet:

Zinstabelle

Ich möchte eine gewisse Dividendenrendite erzielen. Diese habe ich mal frei Schnauze mit 3,5 % festgelegt. Weiter möchte ich, dass diese anfängliche  Dividende(nrendite) um  jährlich 4 % steigt, auch wieder frei Schnauze, um die Inflation abzufangen.

Was ist aber, wenn die Aktie keine 3,5 % Dividendenrendite abwirft, sondern vielleicht nur 3 % oder gar nur 2 %? Ist sie deshalb nicht kaufenswert? Irgendwie muss ich ja auch die Dividendensteigerungen mit berücksichtigen. Wenn eine Aktie also ihre Dividende nicht um die von mir vorgegebenen 4 % steigern kann, sondern um 8 %, 10 % oder noch mehr Prozent. Dann könnte ich auch eine geringere Dividendenrendite als die von mir vorgegebene 3,5 % akzeptieren.

Aus dieser Überlegung heraus habe ich obige Tabelle erstellt. Sie zeigt, dass, wenn man  bei einer Anfangsrendite von 3,5 % auf eine Rendite von 4,26 % (YOC) kommt, wenn diese 5 Jahre lang um 4 % steigt. Dies waren ja meine Vorgaben. Ich brauche allerdings nur eine Anfangsrendite von 3,34 %, wenn ich diese 5 Jahre lang um 5 % jährlich steigern kann. Auch dann komme ich auf einen YOC von 4,26 % nach fünf Jahren.  Bei 6 % Dividendensteigerung benötige ich eine Dividendenrendite von nur noch 3,18 % usw.  YOC steht übrigens für Yield on Cost also Rendite bezogen auf den Anschaffungskurs.

Dadurch wurden plötzlich auch Aktien wie IBM interessant, die zwar eine niedrige Dividendenrendite aufweisen, aber auch große Dividendensteigerungsraten. Und fünf Jahre hielt ich für einen überschaubaren Zeitrahmen, denn mir war klar, dass man mit Steigerungsraten von über 10 % nicht ewig kalkulieren kann.

Apropo kalkulieren. Klar treffe ich gewisse Annahmen. Ich nehme Zahlen aus der Vergangenheit und schreibe sie in die Zukunft fort. Manche werden jetzt sagen, dass das Blödsinn ist. Das man das nicht machen kann. Ich sehe das ein wenig anders. Warum soll eine Firma, die in der Vergangenheit gute Zahlen abgeliefert hat dies nicht auch in Zukunft tun? Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, ob etwas dagegen spricht, dass das in Zukunft doch anders laufen kann. Deswegen verfolge ich ja auch die Firmen bzw. deren Zahlen. Ich vergleiche das gerne mit Bayern München. Bayern München ist in den letzten Jahren oft Deutscher Meister geworden bzw. unter den ersten Drei gewesen. Eine stastische Auffälligkeit. Irgendetwas scheinen die zu machen, das anderen nicht so gelingt. Wenn ich jetzt darauf wetten würde, wer nächstes Jahr unter die ersten Drei kommt, würde ich mit Bayern München – glaube ich – recht gute Chancen haben. Genau so sehe ich das aber auch bei der Auswahl meiner Aktien.

Nun zurück zu meiner Tabelle.  Ich dachte mir fünf Jahre ist zwar ein überschaubarer Zeitraum, aber vielleicht doch ein wenig zu kurz. Deswegen erstellte ich mir eine neue Tabelle:

Zinstafel - 3,5 % in 20 Jahren

Ich wollte einfach mal sehen, wie sich meine Vorgaben 3,5 % Anfangsrendite bei 4 % Wachstum über einen längeren Zeitraum entwickelt und wann ich meinen Einsatz wieder draußen habe.

Das machen die großen Investoren übrigens ganz gerne. Schauen, wann der Einsatz wieder draußen ist. Wobei diese vom Gewinn ausgehen. Nicht von der Dividende. Wenn ich mich recht erinnere suchen diese nach Investments, bei denen sie ihren Einsatz in fünf bis sieben Jahren draußen haben. Nun, ich bin kein Starinvestor. Ich möchte lediglich von meinen Dividendeneinkünften einigermaßen bescheiden leben können. Deswegen begnüge ich mich mit kleineren Renditen und möchte lediglich vermeiden, für ein Investment zu viel zu bezahlen.

Wie man sieht, habe ich mit meinen Vorgaben (3,5 % Anfangsrendite bei 4 % Wachstum) meinen Einsatz von 100 nach 19-20 Jahren durch die gezahlten Dividenden (brutto) wieder draußen. Jetzt könnte man darüber diskutieren, ob 20 Jahre nicht wiederum ein zu langer Zeitraum ist, aber ich versuche bei meinen Investments die Steigerungsraten immer am unteren Ende anzusetzen, wobei ich außer den bisherigen Dividendensteigerungsraten noch die Steigerungsraten von Gewinn und FCF und die Ausschüttungsquote mit berücksichtige. Außerdem soll meine Vorgehensweise nur eine Anregung sein, wie man es machen könnte. Der Leser kann ja „härtere“ Kriterien verwenden.

Ausgehend von dieser neuen Tabelle und dem Gedanken seine Anfangsinvestition nach ca. 20 Jahren durch Dividenden wieder brutto draußen zu haben, habe ich mir nun zwei weitere Tabellen erstellt:

Tafel - Wachstum gross

Tafel - Wachstum klein

Die erste Tabelle zeigt, welche Anfangsrendite man ungefähr benötigt, um bei einem gr0ßen Wachstum (>= 4 %) seinen Einsatz nach 20 Jahren wieder draußen zu haben.

Die zweite Tabelle zeigt, welche Anfangsrendite man ungefähr benötigt, um bei einem kleinen Wachstum (>= 4 %) seinen Einsatz nach 20 Jahren wieder draußen zu haben.

Normalerweise sollte man immer eher auf wachstumsstarke Unternehmen setzen, da diese auch im Kurs immer gut mit steigen. Das sieht man schön, wenn man zwei Langfristcharts zwischen einem wachstumsstarken Unternehmen mit einer niedrigen anfänglich Dividendenrendite und einem wachstumsschwachen mit einer hoher Dividendenrendite gegenüberstellt.

Je nach Lebenssituation ist es manchmal aber auch vorteilhafter, hohe Dividendeneinkünfte zu haben.  Denn man lebt ja auch nicht ewig.

Die Tabellen helfen mir bei der Bestimmung eines ungefähr maximalen Preises, den ich für eine in Frage kommenden Aktie bezahlen soll. Ausgehend von der zurzeit erzielten Dividendenrendite und einem angenommen Wachstum.

Ich gebe mal zwei Beispiele, wie man die Tabellen anwenden kann:

1. Wenn man sich die historischen Daten von Coca-Cola so anschaut und auch ein wenig liest, was andere so über Coca-Cola schreiben, dann kann man mit einem Wachstum von 6-8 % bei Coca-Cola rechnen. Nimmt man mal den kleineren Wert von 6 %, dann sieht man aus der ersten Tabelle, dass man eine Dividendenrendite von 2,83 % benötigt, um nach 20 Jahren seinen Einsatz durch Dividenden wieder draußen zu haben. Also jedes mal, wenn Coca-Cola eine Dividenrendite  von 2,83 % erreicht, wären Kaufkurse erreicht. Alle Kurse, die eine noch höhere Dividendenrendite abwerfen, wäre dann eine Sicherheitsmarge (Englisch: Margin of Safety oder kurz auch MOS genannt).

2. Wenn man sich die zweite Tabelle anschaut, dann erkennt man z.B., dass man ab einer konstanten Dividendenrendite von 5,2 % gar kein Wachstum mehr benötigt, um in 20 Jahren seinen Einsatz durch Dividenden wieder draußen zu haben. Das macht dann Aktien wie AT&T oder Verizon z.B. interessant.

 

 

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Kommentare
  1. Andreas sagt:

    Eine sehr interessante Herangehensweise für die Bewertung von Aktien. Da Dividendensteigerungen mit Gewinnsteigerung meist einhergehen (zumindest gefühlt), funktioniert dieser Ansatz sicherlich in den meisten Fällen. Auf jeden Fall sollten die Dividenden mit berücksichtigt werden. Ich freue mich schon auf die nächsten Artikel 🙂

  2. […] Wie man den maximalen Kaufkurs einer Aktie bestimmt Nachfolgend beschreibt der Dividendeninvestor, wie er eine Preisobergrenze für eine Aktie bestimmt. Die erste Frage, die sich beim Zusammenstellen eines Dividenden(wachstums)depot stellt, ist die, welche Eigenschaften bzw. welche Voraussetzungen sollte ein geeigneter Kandidat mitbringen. Einiges kann man in seine eigene Kauf-Checkliste mit einbauen […]

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