US-Quellensteuer

Veröffentlicht: 28. Mai 2014 in Allgemein
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Wenn ich in Wertpapier-Foren so rumstöbere, merke ich immer mal wieder, dass viel Unsicherheit bezüglich der US-Quellensteuer besteht. Oft wird befürchtet, dass diese nicht auf die Abgeltungssteuer angerechnet wird oder man Gebühren für die Rückerstattung bezahlen muss. Vor allem ist man sich unsicher, ob man das Formular W-8BEN abgeben muss oder nicht.

Gehen wir erst mal vom Normalfall aus. Ein erwachsener Deutscher mit Wohnsitz in Deutschland hat ein Depot bei einer deutschen Bank. Was wohl auf einen Großteil der Leser hier zutreffen sollte

Anmerkung: Ich schreibe hier nur für Privatpersonen (also keine Firmen oder Vereinigungen usw.), die ein Depot bei einer deutschen Bank haben und US-Aktien (keine MLPs, LPs) kaufen wollen bzw. gekauft haben.

Dadurch, dass der Kunde sich bei Depoteröffnung legitimiert hat (Vorlage des Personalausweises/Postidentverfahren bei Online-Banken), benötigt er kein W-8BEN. Die US-Quellensteuer wird aufgrund der Legitimation automatisch angerechnet und es werden hierfür auch keine Gebühren in Rechnung gestellt.

Etwas anders sieht es schon aus, wenn die Eltern für ihr minderjähriges Kind ein Depot eröffnen. Hier muss ein W8-BEN-Formular bei der Bank von beiden Erzeihungsberechtigten unterschrieben eingereicht werden. Also immer in Anbetracht dessen, dass man US-Papiere gekauft hat. Werden keine US-Wertpapiere im Depot verwahrt ist auch kein W8-BEN nötig. Dies gilt auch für alle weitere Fälle.

Viele Deutsche sind mit einer Ausländerin verheiratet und haben ein Gemeinschaftsdepot bei ihrer Bank. Auch hier muss der ausländische Ehepartner ein W8-BEN-Formular einreichen.

Auch haben viele Ausländer ein Depot bei einer deutschen Bank. Ich denke da an die vielen Gastarbeiter oder Ausländer, die im grenznahen Bereich wohnen. Auch diese benötigen ein W8-BEN-Formular.

Viele Deutsche ziehen als Rentner in den Süden Europas oder gar noch weiter. Auch diese benötigen ein W8-BEN-Formular, weil ihr Lebensmittelpunkt nicht mehr Deutschland, sondern das Ausland ist.

Hat man gar einen Bezug zu den USA ist ein W-9 Formular einzureichen. Einen Bezug zu den USA hat man z.B.  wenn man:

  • Inhaber der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft ist (dies schließt auch eine doppelte Staatsbürgerschaft mit ein)
  • Inhaber einer Green-Card ist
  • bei gemeinsamer Veranlagung mit einem in den USA steuerpflichtigen Ehepartner
  • Personen mit einem längeren Aufenthalt in den USA
  • Personen, die aus einem sonstigen Grund in den USA steuerpflichtig sind
  • der Kundenauftrag aus den USA übermittelt wird
  • der Geschäftsgegenwert auf einem Konto in den USA gutgeschrieben wird
  • Mitteilungen (z.B. Kauf-, Verkaufs-, Dividendenabrechnungen,  an eine Adresse in die USA versendet werden

Normalerweise muss man sich um die Formulare keinen Kopf machen, weil die Banken sich gegenüber dem IRS (US-amerikanischen Bundessteuerbehörde [„Internal Revenue Service“ – IRS]) verpflichtet haben, dies peinlichst genau zu dokumentieren und die Auflagen des IRS zu erfüllen, so dass man von den Banken angeschrieben wird, wenn irgendein Formular fehlen sollte.

Probleme bekommt eher die Bank, wenn sie da was übersieht. Dies kann bei groben Verstößen dahin führen, dass sie keine US-Papiere mehr vertreiben darf.

Probleme selbst bekommt man nur, wenn man ein Formular nicht oder nicht rechtzeitig abgibt. Dann passiert nämlich folgendes (aus der Webseite der comdirect) :

9. USA
Um in den Genuss von Abkommensbedingungen bei US Wertpapiererträgen zu kommen, ist es erforderlich, das US Formular W8BEN auszufertigen und bei comdirect einzureichen. Entsprechende Steuervorteile können erst ab Datum Unterschrift auf diesem Dokument eingeräumt werden.

Das bedeutet, dass 30 % Quellensteuer einbehalten werden. So lange bis richtig dokumentiert ist. Sprich, das W8-BEN eingereicht wurde.

Weiterer Nachteil ist, dass das W8-BEN-Formular alle drei Jahre neu eingereicht werden muss, aber auch hier muss man sich keine Gedanken machen, da man von seiner Bank rechtzeitig angeschrieben wird.

Selbst beim Ausfüllen des Formulars haben die Banken die Auflagen des IRS penibelst zu beachten. So sind z.B. Streichungen unzulässig. Wer sich also verschreibt muss ein neues Formular ausfüllen. Auch muss das Formular mit ein und demselben Stift ausgefüllt sein. Zwei unterschiedliche Farben würden schon darauf hindeuten, dass jemand anderes beim Ausfüllen des Formulars mitgeholfen haben könnte. Oder evtl. Kreuze, macht meist der Bankberater, wo man als Kunde unterschreiben soll, machen das Formular in den Augen des IRS ungültig. Die Dokumentation prüft das IRS in unregelmäßigen Abständen bei den Banken. Wird eine bestimmte Fehlerquote überschritten, führt dies zu Geldstrafen bishin zum Entzug der Lizenz US-Papiere zu handeln, weswegen die Banken auf die Vorgaben des IRS strengstens achten, auch wenn der Kunde dies als Gängelei bzw. Bürokratismus seiner Bank empfindet, wenn er zum dritten oder vierten mal ein Formular ausfüllen muss, weil er z.B. etwas gestrichen hat, etwas nicht angekreuzt oder ausgefüllt hat, beim Datum die deutsche statt die amerikanische Schreibweise verwendet hat, nur ein Elternteil unterschrieben hat usw.

Reicht man die Formulare nicht ein riskiert man, dass einem die Geschäftsbeziehung zu seiner Bank gekündigt wird. Gerade W-9 Kandidaten sind davon betroffen, da strenggenommen ohne eingereichtes W-9 Formular mit dem entsprechenden Personenkreis keine Geschäfte getätigt werden dürfen.

Ich hoffe, die meisten Fälle hier abgehandelt zu haben und es nun einigermaßen klar ist, ob und wann man ein W8-BEN oder W-9 Formular benötigt.

Wem das hier Geschriebene noch zu wenig ist kann sich auch das hier mal durchlesen.

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Kommentare
  1. jose sagt:

    Fall:
    Ich hab die Spanische Staatsbürgerschaft, lebe in Deutschland (Hier Geboren/Wohnhaft/Tätig), Tagesgeld eröffnung per PostIdent – deshalb war es bei der Depot aerlffnung nicht mehr notwenidg. Ich habe von meinem Vater Osram und Siemens Aktien geerbt die ich gern Parken möchte (Kein Handel / Verkauf oder Ankauf)

    Muss ich es trotzdem ausfüllen?

    • ZaVodou sagt:

      Hola Jose!

      Was war nicht mehr notwendig? Was musst Du trotzdem ausfüllen?
      Redest Du von einem W8-BEN-Formular?
      Osram und Siemens sind keine US-amerikanische Aktien. Deshalb ist hier auch kein W8-BEN nötig.
      Hättest Du z. B. Coca-cola-Aktien geerbt müsstest Du ein W8-BEN-Formular bei Deiner deutschen Bank einreichen.

      Ich hoffe, Dir mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben.

      Saludos
      ZaVodou

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