Verkaufskriterien und allgemeine Regeln

Veröffentlicht: 21. April 2013 in Dividendenstrategien
Schlagwörter:

Mein Dividendenwachstumsportfolio: Verkaufsrichtlinien und allgemeine Regeln
Autor: Ong Kang Wei
Quelle: Link

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung zu einem vorangegangenen Artikel, der meine sieben Kaufkriterien beschrieb.
Um sicherzustellen, dass neue Leser eine klare Vorstellung davon bekommen, worum es bei meinem Portfolio geht, empfehle ich, oben verlinkten Artikel zuvor zu lesen.
Wer mehr Informationen und meinen Regeln erfahren möchte, kann auch diesen Artikel lesen, der Auskunft über die 25 Positionen in meinem Portfolio und weitere Details gibt.

Verkaufskriterien

1. Kürzungen/Aussetzen/Gleichbleiben der Dividende
Wir fangen mit den Verkaufskriterien an. Da mein Portfolio auf Dividenden ausgerichtet ist, werde ich definitiv Firmen, die ihre Dividenden kürzen, aussetzen oder nicht erhöhen eliminieren. Ich würde sie nur dann weiter behalten, wenn es einen wirklich guten Grund dafür geben sollte, weiter an ihnen festzuhalten.
Obwohl es sehr gute Gründe geben könnte, würde es doch eher die große Ausnahme sein, dass ich sie in meine Portfolio behalte, da ich glaube, dass es immer bessere Möglichkeiten am Markt gibt (solche Aktien zu ersetzen).

2. Extrem langsames Dividendenwachstum von unter 4 % (außer bei soliden Versorgern und hochverzinslichen REITs)
Außerdem werde ich auch Aktien von Firmen aus meinem Portfolio eliminieren, deren Dividendenwachstum sich ständig verlangsamt. Mein Hauptziel ist es,  mit der Rendite des Portfolios über dem der Inflation zu liegen, weswegen ich eine Aktie verkaufen würde, wenn sie mir nicht hilft, dieses Ziel zu erreichen.
Ich werde normalerweise dann auf eine Aktie aufmerksam, wenn deren „Chowder-Punktzahl (mehr Infos zur Chowder-Regel gibt es hier) unter 12 % für normale Aktien fällt. Ausnahmen mache ich nur bei Versorgen wie Southern Co.  (SO), Telekomunikationsunternehmen wie AT&T (T), Ölleitungsbetreiber wie Kinder Morgan (KMR), (KMP), soliden Verbraucheraktien wie Procter&Gamble (PG) und Kimberly-Clark (KMB).
Ansonsten beachte ich erst dann Aktien, wenn deren Zahl unter 8 % fällt.
Eine Aktie, die ich z.B. eliminieren würde, wenn sie in meinen Portfolio wäre, ist Nucor (NUE). Es ist ein stabiler Dividendenaristokrat, der seine Dividende 40 Jahre lang Jahr für Jahr erhöht hat. Jedoch hat sich das Dividendenwachstum ständig verlangsamt. Und zwar von einem Fünfjahresdurchschnittsdividendenwachstum von 18,3 % auf jetzt 0,7 %. Was nur schwerlich die Inflation schlägt.
Auch wenn die Dividende von nun an wieder steigen würde, würde ich so ein Spiel nicht mitmachen, sondern mich an einer Firma beteiligen, die ihre Dividenden kontinuierlich steigern kann.

3. Verliert Marktanteile an Konkurreten/nicht konkurrenzfähig genug/Fundamentale Probleme/kein nachhaltiges oder zukünftig unsicheres Geschäft
Probleme wie diese gibt es überall auch unter den Dividendenaktien. Ein Beispiel ist Pitney Bowes (PBI), das eine wirklich hohe Dividendenrendite von zurzeit 11,15 % hat. Man hat eine akzeptale Auszahlungsquote von 71 % und ein niedriges KGV von 6. Außerdem ist es ein Dividendenaristokrat, der kollosale 30 Jahre lang seine Dividende Jahr für Jahr erhöht hat.
Das klingt für jeden Dividendenwachstumsinvesor sehr verlockend, aber die Situation ist doch etwas anders, wenn man sich die Firma und deren Fundamentaldaten genauer anschaut. Denn alles, was man vorfindet ist ein Unternehmen mit einer unsicheren und düsteren Zukunft (Mail-Dienste).
Außer unglaublichen Schulden von USD 4,02 Mrd. (verglichen mit seiner Marktkapitalisierung von USD 2,78 Mrd.) gibt es ein Wachstum bei den Gewinnen pro Aktie in den letzten 10 Jahren von fast Null (USD 2,10 im Jahre 2003 zu USD 2,16 im Jahre 2012) und das von der Gesellschaft geschätzte Gewinnwachstum für die nächsten fünf Jahre liegt bei -6,0 %. Alles in allem sehen die fundamentalen Daten und Zukunftsaussichten der Gesellschaft also nicht rosig aus.
Wie ich in meinem vorangegangenen Artikel ausgeführt habe, halte ich das Gewinnwachstum einer Gesellschaft für äußerst wichtig. Gewinnwachstum ist die Triebfeder für Dividenden und deshalb sieht die Situation wie der von PBI nicht wirklich attraktiv aus, egal wie hoch die Dividende auch ist.
Vielleicht wäre Pitney Bowes vor 20 Jahren eine gute Investition in die Zukunft gewesen, aber nicht jetzt.
Mein Standpunkt ist: Ich werde auch in Zukunft nicht zögern eine Position zu verkaufen, wenn ich nach weiteren Untersuchungen herausgefunden habe, dass die Firma sich deutlich in irgend einer Weise verschlechtert hat oder eines der Verkaufskriterien erfüllt.
Letzten Endes, wie Lowell Miller in seinem Buch „The Single Best Investment“ schrieb: „Ein eigenartiger Geruch aus dem Keller könnte das erste Anzeichen dafür sein, dass dort auch Leichen begraben sind“.

Allgemeine Portfolio Regeln

4. Immer diversifizieren und sei in allen Sektoren ausreichend vertreten
Diversifikation ist extrem wichtig für mich, da ich als Dividendenwachstums-investor Aktien auf Dauer kaufe. Ich mag es,  eine große Anzahl von Unternehmen in den verschiedensten Branchen zu halten, um Risiko und Nachteile zu reduzieren, falls eine Industrie bzw. ein Sektor irgendwann mal sehr schlecht abschneiden sollte.
Ein diversifiziertes Portfolio sollte auch weniger schwanken, da Verluste  einiger Investments durch Gewinne anderer wieder aufgefangen werden, was zu meinem Ziel einer geringen Volatilität führt.
Man sollte aufgrund seiner Anlageziele, seines Zeithorizonts und seiner Risikotoleranz diversifizieren. Obwohl Studien bewiesen haben, dass man mindestens 50 Titel, verteilt auf mindestens fünf verschiedenen Sektoren benötigt, um ausreichend diversifiziert zu sein, plane ich, nur 30 Titel wegen meiner begrenzten geldlichen Mitteln zu halten.

5. Halte nie mehr als 8 % einer Aktie in deinem portfolio

Normalerweise soll jede meiner Aktien 3 % meines Portfolios ausmachen. Wenn aber eine Position meines Portfolios die 8 %-Marke erreicht hat, bedeutet dies gewöhnlich, dass diese Aktie signifikant gegenüber anderen Aktien gestiegen ist.
Wenn dies der Fall ist, wende ich einer der zwei folgenden Möglichkeiten an:

  • Ich nehme Gewinne mit und drücke die Position wieder auf 3 %
  • Ich verkaufe die ganze Position, da die Dividende(nrendite) sehr klein wird, wenn die Aktie so stark gestiegen ist (von 3 % auf 8 % bedeutet, dass sich die Aktie nahezu verdreifacht hat) und kaufe erst dann wieder, wenn die Aktie einen Rückschlag erlitten hat.


6. Reinvestiere immer die Dividenden

Wie Albert Einstein schon sagte: „Der Zinseszins ist das achte Weltwunder“. Da die meisten Menschen sich die Kraft des Zinseszins nicht vorstellen können, hier mal ein Beispiel, das zeigen soll, wie wichtig der Zinseszins für das Portfolio eines Dividenden-wachsumsinvestors ist.

Angenommen ein Unternhemen

  • zahlt 4 % Dividende
  • hat ein jährliches Dividendenwachstum von 9 %

Die erste Tabelle zeigt die Dividende und die jeweilige Einstandsrendite, die jemand bekommen würde, wenn er USD 10.000 in eine Aktie investiert hätte:

Jahre erhaltene Dividenden Einstiegsrendite
0 $400 4.0%
10 $947 9.5%
20 $2,057 20.6%
30 $4,869 48.7%
40 $11,526 115.3%
50 $27,287 272.9%
60 $64,599 646.0%
70 $152,928 1,529.3%

Das sieht sehr beeindruckend aus, doch die nächste Tabelle zeigt die Dividenden an, die jemand bekommen würde, wenn er alle Dividenden wieder angelegt hätte. An der Viariablen hat sich sonst nichts geändert.

Jahre erhaltene Dividende Einstiegsrendite
0 $400 4.0%
10 $1,202 12.0%
20 $4,079 40.8%
30 $13,846 138.5%
40 $47,002 470.0%
50 $159,552 1,595.5%
60 $541,611 5,411.6%
70 $1,838,538 18,385.4%

Obwohl wir nicht so lange leben, um so lange zu investieren und es auch keine Firma mit solch konstantem Dividendenwachstum über 70 Jahre geben mag, zeigt es doch die Kraft des Zinsenszins, wenn man die Dividenden wieder anlegt. Wenn man dazu noch einen bestimmten Betrag jeden Monat zusätzlich invstiert, sind die Zahlen noch erstaunlicher. Lassen Sie mich diesen Punkt mit einer Studie, die von einigen Professoren der London Business School vor einigen Jahren erarbeitet wurde, zu Ende bringen:

Es ist erwiesen, dass jeder Dollar, der 1900 in den U.S.-Aktienmarkt investiert wurde auf USD 198 im Jahre 2000 angewachsen ist. Das klingt eindrucksvoll außer, wenn man sich vor Augen führt, dass, wenn man alle Dividenden reinvestiert hätte das Portfolio auf kolossale USD 16.797 im Jahre 2000 angewachsen wäre.

Dies zeigt erneut, wie wichtig das Reinvestieren ist, besonders für Langfristanleger.

Hiermit schließe ich die Serie meiner Artikel über mein Portfolio und meiner Regeln.
Ich würde mich freuen, wenn Sie sich zu meinen Regeln äußerrn würden, indem Sie einen Kommentar hinterlassen.
Ihre Meinungen und Kommentare werde ich sehr wertschätzen.

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Kommentare
  1. Thomas sagt:

    Klasse Artikel.

    Wo findet man noch was zu der Chowder Regel? Da war kein Link zu finden dazu.

    Gibt es eine Finanzseite, wo man sowas sieht wie hoch die Schulden eines Unternehmens sind, Gewinn pro Aktie für längeren Zeitraum als die letzten 3Jahre usw. Oder muss man da immer in die Bilanzen,Geschäftsberichte direkt reinschauen?

    • ZaVodou sagt:

      Hallo Thomas,

      ich hab’s jetzt verlinkt.
      Danke für den Hinweis.

      Zum zweiten Teil der Frage. Ich verwende FT.com. Wenn Du Dich da anmeldest siehst Du die letzten 5 Jahre und nicht nur 3 Jahre.
      Früher habe ich noch msn Money benutzt. Dort gibt es auch teilweise 10-Jahreszahlen.
      Wenn Du von Kennzahlen erschlagen werden wills, dann schau mal bei ADVFN.com vorbei.
      Für Zeiträume für 10 Jahre und mehr suche ich selbst was.

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